andreasradin

OGEX 2021

Mein Name ist Andreas Radin, kurz Andi. Ich liebe Berge und Musik, bin neugierig und gesellig. Ich bin seit Kindesalter Pfadfinder, heute als Leiter für die Sparte der 13- bis 16-Jährigen. 2020 bin ich zum Masterstudium der Geographie von Bonn nach Wien gezogen. Sicher auch, weil man von hier viel leichter zu einer meiner hundert geplanten Bergtouren aufbrechen kann!

Im September 2021 durfte ich an der Exkursion „Orientierung im Gelände“ der Universität Wien unter der Leitung von Karel Kriz und Lukas Neugebauer teilnehmen. Neben den inhaltlichen Schwerpunkten, Kartografie und Orientierung in verschiedenen Geschwindigkeiten, stand auch die Geokommunikation und Anwendbarkeit im Rahmen des Geographieunterrichts an Schulen im Mittelpunkt der viertägigen Veranstaltung. Über die drei gewählten Fortbewegungsformen möchte ich im Folgenden reflektieren.

Mountainbike

Mountainbiken ist eigentlich ein bei mir eher unbeliebtes Mittel um die Natur zu erleben. In meinen Augen rauscht man oft über Wege, ohne die Umgebung wirklich wahrzunehmen. Um es auf das Thema dieser Veranstaltung zu beziehen, schnellere Fortbewegung erschwert die Orientierung. Wer sich schnell bewegt, nimmt nur einen kleineren Winkel, direkt vor sich, richtig wahr.

Im Vorfeld der Exkursion gab es in der Donnerstagnacht und am Samstagnachmittag Regen, weshalb es in einigen Senken und Löchern weiterhin matschige Stellen gab. Das Wetter am Dienstag, den 21.09.21, war jedoch trocken und etwa 16 Grad warm, wie vorhergesagt. Während es also im Windschatten und bei gelegentlichem Sonnenschein sowie beim bergan Fahren sehr angenehmes Wetter war, wurde es während Pausen – z.B. auf der Jubiläumswarte – schnell kalt.

Meine Vorbehalte haben sich bei unserer Tour nur teilweise bewahrheitet. Ich bin sehr positiv davon überrascht gewesen, wie unsere Fahrt hinauf zur Jubiläumswarte gelaufen ist. Für mich war es eine angenehme Geschwindigkeit, um sowohl meine Umgebung wahrzunehmen, als auch noch problemlos Gespräche mit meinen Nachbarn führen zu können. Auch haben wir in dem niedrigen aber regelmäßigen Tempo alle Teilnehmer:innen beisammen halten können und zugleich recht viel Strecke geschafft – besonders im Vergleich zur Fortbewegung zu Fuß. Zwar ist fraglich, ob die positive Erfahrung auf eine ganze Schulklasse mit der etwa doppelten Gruppengröße übertragen werden könnte, da bei einer auf technische Hilfsmittel angewiesenen Sportart viel schiefgehen kann. Auch wenn es bei uns keinerlei Unfälle oder Verletzungen gegeben hat, waren wir nicht ganz vor Unvorhergesehenem gefeit. Unterwegs riss beim Andi die Kette, was spontanes Reparieren und umdisponieren erforderte. Nun müsste – im Bezug auf eine Schulveranstaltung – eine ganze Kasse ausharren und auf die Reparatur warten, sofern diese überhaupt möglich ist. Selbst wenn genügend Lehrpersonal verfügbar wäre, um wie geplant fortzufahren, müsste ein Großteil der Gruppe anschließend mit weniger Beaufsichtigung weiterfahren.

Um auf meine anfangs geäußerte Befürchtung zurückzukommen, so hat sich meine Wahrnehmung der Umgebung und meine Orientierung ab der Abfahrt von der Jubiläumswarte drastisch verschlechtert. Mit einer höheren Geschwindigkeit konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf den Weg vorweg mit seinen Steinen, Wurzeln und anderen Hindernissen. Meine anschließende Mental Map zeigt dies sehr deutlich auf, konnte ich bis zur Jubiläumswarte den Wegverlauf fast realitätsgetreu aufzeichnen, wird es danach deutlich kleiner und schwammiger. Hier kann ich nicht mehr sagen, wie viele Kurven und Kreuzungen wir passierten. Insgesamt werde ich sicherlich zukünftig häufiger mit dem Mountainbike unterwegs sein als vor der Veranstaltung, aber es bleibt meine nicht favorisierte Fortbewegungsart.

Orientierungslauf

Auch wenn ich zuvor noch nie an einem Orientierungslauf als solchen teilgenommen habe, hat er mich doch stark an Großgruppenspiele erinnert, wie ich sie bereits von den Pfadfindern kenne. Dabei schicken wir die Teilnehmer:innen häufig in Gruppen von Station zu Station, lassen sie Wegzeichen folgen oder sich anhand von Karten orientieren. Im Mittelpunkt steht hier neben der Orientierung an sich eher noch der Gruppenzusammenhalt. Ich bin daher heute besonders gespannt, wie man diese Läufe inhaltlich intensivieren kann.

Am Tag des Orientierungslaufs, Mittwoch dem 22.09.21, herrschten die unangenehmsten Witterungsbedingungen der ganzen Exkursion. Nach starkem Regen am Morgen und Vormittag regnete es auch während des Orientierungslaufs leicht aber stetig. Bei der dafür vorgesehenen Wiese handelt es sich um einen Auslaufbereich für Hunde, weshalb unter dem sicher 30cm langen und vom Regen plattgedrückten Gras einige gefährlich tiefe Löcher verborgen liegen. Während des Orientierungslaufs trat ich einmal in ein solches Hinein und viel lang hin. Danach schmerzte mein Fuß glücklicherweise nur leicht, sonst habe ich mir nichts getan. Aber auch ein weiterer Teilnehmer, der Lukas, ist auf dem rutschigen Untergrund umgeknickt und könnte seine Bänder auch stärker verletzt haben.

Der Orientierungslauf wurde als Stern-Orientierungslauf ausgerichtet. Das bedeutet, dass die Veranstalter:innen im Zentrum des Geländes platziert sind. Von hier aus ging es für vier einzelne Aufgaben in verschiedene Richtungen, zum Abschluss einer Aufgabe und Beginn der nächsten musste jedoch stets zur Mitte zurückgekehrt werden. Das halte ich für eine sehr gute Idee, die ich auch in Zukunft gerne so organisieren werde. Sollten nämlich Probleme auftauchen gibt es kurze Wege für die Teilnehmer:innen oder Veranstalter:innen, die sich meistens im Blick haben. Gerade bei jungen Teilnehmer:innen kann so sicher gegangen werden, dass sich niemand kolossal verläuft, ein Vorteil gegenüber einem Lauf entlang einer einzigen, größeren Runde.

Nicht nur die Nähe zu Ansprechpersonen stellte sich bei der heutigen Veranstaltung als wichtig und richtig heraus, auch weitere Sicherheitsschleifen, die bei Problemen ein fast reibungsloses Fortfahren ab der nächsten Unteraufgabe erlaubten. Viele Stationen, bestehend aus QR-Codes oder anderen verteilten Hinweisen, waren bei Beginn des Laufs von Fremden entfernt worden. Da wir jedoch eine Notfall-Handynummer mitbekommen haben, einen Umschlag mit Ersatz-QR-Codes für genau diesen Zweck, sowie nah an den Organisator:innen waren konnten wir diese Probleme nach kurzer Zeit umgehen. Dennoch führen solche Probleme, ähnlich wie auch Schwierigkeiten mit der App oder der Bedienung des Smartphones in der Nässe, zu einer gewissen Frustration. Und das, obwohl ich eigentlich nicht so ehrgeizig in das Spiel gestartet bin, wie mein Laufpartner Paul, der sehr gern gewinnen wollte. Seine Motivation hat jedoch auch mich zusätzlich angespornt, noch schneller zu laufen, und am Ende meinen Spaß deutlich erhöht.

Insgesamt zeigt sich für mich, dass – ähnlich wie schon am Vortag mit den Mountainbikes erwähnt – möglichst simple Abläufe und möglichst wenig technische Hilfsmittel ein sicherer Weg sind, besonders wenn man mit Anfänger:innen und Schulklassen unterwegs sein sollte. Während das Spiel aus vier verschiedenen Aufgaben mit unterschiedlichen Materialien – einer App, einer physischen Karte, einem Kompass – bestand, würde ich in Zukunft eher eine Methode wählen. Die kürzeren Strecken, die stets von der Mitte des Sterns aus begonnen werden, halte ich für sinnvoll und richtig.

Bergwandern

Ich gehöre zur Gruppe, die die Bergwanderung mitorganisiert hat, weshalb meine Wahrnehmung und Reflexion sicher von der der vorherigen Tage abweichen wird. Wandern ist meine bevorzugte Art, meine Umgebung zu erleben. Man bewegt sich langsam genug voran, um sowohl die Landschaft in der Ferne als auch kleine Sehenswürdigkeiten direkt vor den eigenen Füßen genügend zu würdigen. Warum habe ich also diese Aktivität gewählt, sollten wir doch bestenfalls einen Bereich anleiten, in dem wir uns noch nicht gut auskennen? Eine mehrtägige Bergtour für eine Schulklasse zu organisieren stellte sich mir als größte Herausforderung aus dem Angebot dar. Auch wenn die Schulklasse uns schlussendlich nicht begleiten konnte, sind die Erfahrungen der Veranstaltung für mich sehr wertvoll und erleichtern den „Ernstfall“.

Die Wettervorhersage für die beiden Tage des Bergwanderschwerpunkts, 23.-24.09.21, war schon für einige Zeit im Voraus gut. Wenn es auch während Pausen schnell kalt wurde, waren die kühlen, trockenen und sonnigen Bedingungen perfekt für die Veranstaltung. Lediglich unterschätzt habe ich das Risiko durch die Windgeschwindigkeiten des zweiten Veranstaltungstages. Kurz bevor wir die Hütte verließen, kippte ein großer und schwerer Schirm auf der Terrasse um. Ungern wäre ich zu diesem Zeitpunkt mit einer Schulklasse dort draußen gestanden oder durch den Wald gegangen.

Der Tag begann für mein Gefühl zu langsam. Nachdem wir – besonders mit der Anreise zum Treffpunkt, die ebenfalls einige Zeit in Anspruch nahm – eineinhalb bis zwei Stunden mit dem Zug unterwegs waren, dauerte unsere Einführung zu lange. Grund war auch, dass Charly hier eingegriffen hat und von uns eine deutlich ausführlichere kartografische Einführung verlangt hat. Sein Einwurf war berechtigt, wir hätten gründlicher untereinander besprechen sollen, welche key facts an dieser Stelle unbedingt zu vermitteln sind: Kurze Begrüßung, Check der Ausrüstung, Überblick des Weges bis zur nächsten Station, Regeln für die Wanderung – wie z.B., dass stets ein Organisator vorne und hinten geht – und notwendige Sicherheitshinweise. Den längeren Einblick in das, was uns in den nächsten zwei Tagen erwartet inkl. der Einführung in die analogen Karten bzw. Apps würde ich auch in Zukunft jedoch erst später durchführen. Nach maximal 15 Minuten würde ich mit der Gruppe unterwegs sein und den ersten (sehr simplen) Wegabschnitt gehen, damit nicht zu große Unruhe aufkommt und die Bewegung (bergan) die Kinder ein wenig physisch beansprucht. Dann, wenn eine Pause auch zum Zusammenhalten der Teilnehmer:innen sinnvoll ist, würde ich die gründlichere Einführung geben.

Dafür zu sorgen, dass die Gruppen zusammenbleibt und niemand abgehängt wird, ist eine wichtige und schwierige Aufgabe. Ich bin sehr positiv überrascht vom hohen Tempo unserer Gruppe; mit Schulklassen kann das zwar ähnlich, aber auch ganz anders aussehen. Dann ist es, sowohl für den Spaß der Teilnehmenden, die Gruppendynamik und auch die Sicherheit wichtig, dass vorne in passenden Abständen auf etwaige Nachzügler gewartet wird. Mit meinen Kollegen vorne und mir meist hinten habe ich das Gefühl, diese Aufgabe gut erfüllt zu haben. Berücksichtigt werden muss das dadurch etwas verringerte Tempo.

Bereits bei den vorherigen Aktionen als eine Art Endgegner herausgestellt hat sich das Zeitmanagement. Meist haben wir das Tempo der Gruppe gut einschätzen können, doch stimmt besonders bei Programm immer: Es dauert länger als man denkt! Wenn ich eine größere Gruppe habe, noch länger. Während am ersten Tag aufgrund der großen Puffer alles rund lief, merkten wir das bereits am zweiten Tag: Wir kamen eine halbe Stunde zu spät am Museum an und nach der sehr wichtigen Gruppenreflexion zu spät für den geplanten Bus. Während wir nun eine Stunde hätten warten müssen, hatte Charly bereits einen Plan B parat und ein günstiges Taxi gerufen! Also: Immer einen Plan B parat haben.

Was ist mir sonst aufgefallen? Ich bin sehr zufrieden mit der genauen Packliste, da alle Studierenden (natürlich auch Charly und Lukas) gut ausgerüstet waren. Ebenfalls sehr zufrieden bin ich mit dem Spiel für das Abendprogramm, das großen Spaß gemacht und zumindest auch einfache fachliche Vertiefung erreicht hat (Äquidistanz!). In der Eng war mir der gewählte Pausenplatz aufgrund der hohen Steinschlaggefahr sehr unangenehm. Hierzu würde ich mich in Zukunft auch äußern. Wenn ich den Weg bereits einmal abgegangen wäre, hätte ich sofort die wenig höher gelegene und sichere Stelle am neu errichteten Ries vorgeschlagen. Ein wichtiger Punkt: Die Organisator:innen sollten die Strecke bereits abgegangen sein, um wirklich einschätzen zu können, dass sie für Schulkinder geeignet ist. Auf einer Karte sah der von uns gewählte Abstieg ähnlich steil aus wie der ursprünglich von Charly vorgeschlagene über die Bodenwies. In der Realität jedoch war der von uns gewählte – und für Studierende durchaus machbare – Steig zu ausgesetzt und steinschlaggefährdet für eine Schulgruppe bzw. eine andere, größere Gruppe. Auch störte mich am landschaftlich reizvollen Wasserleitungsweg durch das Höllental das Kreuzen und Entlanggehen der kurvenreichen Straße, auf der einige Autos und Motorräder schnell unterwegs waren. Mit besonders jungen Kindern möchte ich hier ungern entlang gehen.

Zu guter Letzt ein Gedanke zum Vermitteln von Inhalten, der mir bereits aus meiner Arbeit im Nationalpark Berchtesgaden bekannt, bei unserem Projekt aber besonders von Paul gut beherzigt wurde: Es ist immer wichtig, etwas Anschauliches und Spannendes zu zeigen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauenden zu wecken. Wenn man gerade nichts passendes findet, so reicht es auch, die Teilnehmer:innen mit einer Hagebutte oder einer Hand Kies zu überraschen.

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